Konferenz
Europäischer
Pfarrervereine und Pfarrervertretungen
 

10. Europäischer Pfarrkongress 2010 in Wisla

 

Nicht allein die Situation der lutherischen Kirche in Polen stand im Mittelpunkt der Tagung, sondern der Austausch über Pfarrverbände und Entwicklungen in den evangelischen Kirchen in ganz Europa. Von der Minderheitensituation in Rumänien über Ungarn und die Slowakei bis hin zur (Staats-)Kirche in Däne-mark und den skandinavischen Ländern berichteten die einzelnen Vertreterinnen und Vertreter. Die Tagung stand unter dem Motto “Gottes Wort in öffentlicher Verantwortung verkündigen”, zu dem die dänische Professorin Dr. Kirsten Busch-Nielsen aus Kopenhagen den Hauptvortrag hielt. Gemäß ihrer lutherischen Prägung zeigte sie in ihrem Referat die Aufgaben der einzelnen Ämter in einer Gemeinde auf und betonte die “rechte Berufung” für die öffentliche Verkündigung im Pfarramt. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Reformierten den Schwerpunkt eher auf die “Verkündigung in der Öffentlichkeit” legen und sich die Anforderungen an den Verkündigungsauftrag in den einzelnen Kirchen eklatant voneinander unterscheiden. So war die theologische Weiterbildung ein wichtiger Schwerpunkt der Tagung und Anlass zu Austausch und Gespräch. Auch die Situation der einzelnen Pfarrverbände unterscheidet sich deutlich voneinander hinsichtlich Organisation und Strukturen. Ein wesentlicher Grund für die Bedeutung der Tagungen liegt deshalb in der Möglichkeit zu gegenseitigem In-formationsaustausch. Wertvolle Hinweise und Beispiele aus der Praxis können in diesem Rahmen weitergegeben werden.

Die Beratungen zur zukünftigen Arbeit der KEP nahmen ebenfalls einen breiten Raum während der Tagung ein. Anhand eines im Vorfeld verschickten Fragebogens konnten die verschiedenen Teilnehmenden, die zum Großteil den Vorsitz der jeweiligen Pfarrverbände innehaben, Stellung nehmen zur Gestaltung der weiteren Arbeit. Grundsätzlich wurde die Bedeutung der KEP anerkannt mit dem Ziel, die gegenseitige Verbundenheit und den Austausch zu vertiefen durch die modernen Kommunikationsmittel, wie z.B. durch das Internet. Auch am Dreijahresrhythmus der einzelnen Konferenzen soll festgehalten werden. Wichtig ist eine breite Basis der Kongresse, an denen möglichst Vertreterinnen und Vertreter aller europäischen Länder teilnehmen sollen.

Einen besonderen Höhepunkt des Kongresses stellte der Besuch in Auschwitz dar als Auseinandersetzung mit europäischer, insbesondere deutsch-polnischer Geschichte. Schuldekan i.R. Christian Buchholz, der Vorsitzende des Württem-bergischen Pfarrvereins, vermittelte als Mitglied des Aufsichtsrates einen Besuch in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświeçim/Auschwitz. Initiiert durch Aktion Sühnezeichen im Jahr 1986, findet an diesem Ort eine breit gefächerte Bildungsarbeit statt, eindrucksvoll vorgestellt von Direktor Leszek Szuster sowie einem dort im Rahmen des Freiwilligendienstes arbeitenden Ju-gendlichen. Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ließ die Menschenver-achtung und das Ausmaß der unvorstellbaren Gräueltaten während der Naziherrschaft erahnen. Als Zeichen des Erinnerns an die 1,5 Millionen Opfer wurde an der Gedenkstätte ein Kranz niedergelegt. Zugleich machte der Besuch in der Jugendbegegnungsstätte deutlich, wie wichtig es ist, über Vergangenheit zu sprechen und gleichzeitig auf die Zukunft hin zu orientieren.

Der gemeinsam gefeierte Abendmahlsgottesdienst, vorbereitet vom derzeitigen KEP-Präsidium, stellte den feierlichen Abschluss der Tagung dar. Der Vorsitzende, Pfarrer Gerd Rainer Koch aus Württemberg, hielt die Predigt zur Brotbitte des Vater Unser und Propst Peter Anton KrogsØe aus Dänemark gestaltete die Liturgie. Im Namen des dreieinigen Gottes war etwas spürbar von der gegenseitigen Verbundenheit in einem Geist, trotz der unterschiedlichen Herkunftsorte und Sprachen. In der Hoffnung, diese Stärkung und Vergewisserung in die Heimatkirchen und –gemeinden hinein zu tragen und auf die eine oder andere Weise die Verbindung aufrechtzuerhalten, machten sich die Teilnehmenden auf die Heimreise – erfüllt von dem Wunsch, sich in drei Jahren auf den nächsten Kongress vorzubereiten und einander erneut zu begegnen.

13.06.2010
Chr. Keim